Teestube

 

Armut in Wiesbaden

Frauen aus der Gemeinde engagiert im Frühstücksdienst der Teestube

Wenn ein paarmal im Jahr am Montag-morgen ein Großeinkauf getätigt wird - Wurst, Käse, Butter, Obst, Eier,Rohkost, aus der Bäckerei Meinhard Brot und Brötchen, dann ist es wieder so weit: Stefanie Deußer, Heidi Dittmar, Petra Freese, Manuela Koch und  Ursula Schmitz rücken aus, um in der Teestube des Diakonischen Werks ein besonderes Frühstück auszurichten.

Die Bodelschwingh-Gemeinde beteiligt sich im Wechsel mit anderen Wiesbadener Kirchengemeinden an diesem Angebot des Diakonischen Werkes und trägt die Kosten für die Lebensmittel.

Um neun Uhr sind jeweils drei der Helferinnen vor Ort und beginnen mit den Frühstücksvorbereitungen: an etwa zehn Tischen sollen gleich zwischen 60 und 90 bedürftige Personen versorgt werden.

Pünktlich um zehn Uhr begrüßt der Leiter der Teestube, Herr Röhrig, alle die gekommen sind. Er stellt die Helferinnen vor und nach einer kurzen Andacht, einem Gebet oder Bibelwort darf zugegriffen werden. Die besonderen Leckerbissen wie Brötchen, Früchte und bunt gefärbte Eier werden angereicht und gerecht verteilt. Alle sollen satt werden und in Ruhe und Geborgenheit diese Mahlzeit einnehmen.

"Wir Frauen sind nach all den Jahren ein eingespieltes Team", erzählt Frau Deußer. "Wir machen das freudig und gut gelaunt."

Junge, Alte, Frauen und Männer, Wohnungslose, Arme aus ganz unterschiedlichen Situationen nehmen diese kostenlose Mahlzeit gerne in Anspruch - jetzt in der kalten Jahreszeit sind es naturgemäß mehr als im Sommer. Am Montagmorgen ist der Hunger oftmals besonders groß, weil die Teestube am Wochenende geschlossen bleibt.

In den Teufelskreis aus Arbeitsplatzverlust, Verlust der Wohnung, Obdachlosigkeit kann man schnell hineingeraten, weiß Frau Deußer und kennt so manches traurige Schicksal. Alkohol wird dann häufig zum Problem - es kann so schnell bergab gehen!

Sie und die anderen Frauen möchten etwas weitergeben vom eigenen Wohlstand, möchten helfen und empfinden angesichts der Armut, die in der Teestube offenbar wird, umso mehr Dankbarkeit für die eigene Lebenssituation.

 

Almut Kocher